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„Ich mochte wie du mich angesehen hast“

Die Bar war dunkel, es roch nach Zigarettenasche, eine Live-Band spielte im Hintergrund, sich amüsierende Menschen die aufgeregt aufeinander einredeten und auf einen guten Abend hofften. Ich habe ihn nicht beachtet. Warum sollte ich auch? Meine Gedanken kreisten sich seit Tagen um größere Sorgen. Es sollte für mich einfach nur ein netter Abend werden, ein Absacker bevor ich wieder den Heimweg zurück schlenderte. Er saß lässig auf seinem Hocker direkt vor der Bar, trank sein Bier und wollte eigentlich nur den turbulenten Tag ausklingen lassen. Ich hatte einfach nur nach Ablenkung gesucht, nach dem ganzen Emotionalen auf und ab sollte mich ein Bierchen einfach nur auf andere Gedanken bringen. Der einzige freie Platz war neben ihn, also saß ich mich hin. Während des ganzen abends und den teils regen Gesprächen zwischen uns bemerkte ich seine Blicke. Die waren nicht aufdringlich. In seinem Blick lag Bewunderung und irgendwie auch eine gewisse Achtung. Zwischen uns lag stundenlang Spannung, die man nicht verleugnen konnte.

„Ich mag deinen Tattoo an deinem Oberarm  – das war das erste an dir, dass mir auffiel“

 

Ich musste grinsen, dabei lies er mich nicht aus den Augen. Da war er wieder, dieser bewundernde Blick. Seit dem wurde der Fremde meine Ablenkung. Er war der, den ich anrief, wenn es mir schlecht ging oder der, wenn ich einfach nur ein wenig seine Hilfe brauchte. Und er spielte mit.  Er ließ es mit sich machen. Er wurde zu einem guten Freund, den ich nicht mehr missen möchte.

„Seien wir doch ehrlich, Du warst noch nie interessiert an mir. Ich bin doch nur eine Ablenkung von der Realität“

 

Wir skypen gerade als er diesen Satz aussprach. Ich schaute ihm in die Augen und wusste nicht was ich antworten sollte. Ich fühlte mich ertappt. Tief Luft holend nickte ich einfach nur. „Dann… wie haben wir es geschafft die ganze Zeit den Kontakt zu halten?“, es war eine berechtigte Frage. Er klang nicht mal verletzt. Er spielte mit. Seit dem sind nämlich mehr als 2 Monate vergangen. Dieses mal konnte ich ihm nicht ausweichen. „Erinnerst du dich an unseren ersten Treffen? Ich mochte die Art und Weise wie du mich angesehen hast“, brachte ich raus und suchte nach den passenden Worten. „An den Tag habe ich mich frei und besonders gefühlt und ich war endlich ich selbst, keine Verschönerung, einfach die dreckige Wahrheit, ohne irgendetwas vormachen zu müssen damit der Gegenüber mich mag. Ich halte noch bis heute an dieses Gefühl fest. Ja du hast Recht, ich bin nicht an dir interessiert – momentan nicht, aber ich bin auch nicht abgeneigt von dir.“ Als ich das ausgesprochen habe fühlte ich mich, als würde ich zu viel von mir Preis geben aber ich möchte ehrlich zu ihm sein.

„Wow…“

„Ist es für dich okay?“

„Ich wusste einfach bis heute nicht, was der Grund war. Aber ich mag den Grund und dass du es mir offen und ehrlich gesagt hast. Das schätze ich an dir.“

Als wir nach 60 Minuten das Gespräch beendeten und ich meinen iPad verstaute schaute ich kurz vor dem schlafen gehen noch auf meinem Smartphone. Eine Nachricht von ihn.

„Wir zwei, unser Leben, sind sehr unterschiedlich, wir beide haben unsere Vergangenheit die wir nicht vergessen können und wir kennen uns auch nicht gut genug aber du bedeutest mir viel und ich sorge mich gerne um dich. Dass ich dir das Gefühl geben kann frei und besonders zu sein gefällt mir. Halte dich bei mir nicht zurück, genieße einfach, dass ich immer für dich da bin.“

Er spielte also mit.

7 Kommentare

  1. Hallo,
    lieben Dank für deinen Kommentar bei mir, freut mich, dass ich dir ein wenig Lust auf einen Urlaub an der Côté d’Azur machen konnte. 🙂

    Dieser Text ist unglaublich schön geschrieben, du hast das in wunderschöne Worte verpackt. Wunderschön, großes Kompliment!

    Liebst,
    Liz. http://lizinview.blogspot.co.at/

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